Meine sechs Monate als Basketbalpr…äh Menschenrechtsbeobachter!

„Jedes IPON-Team sollte mindestens einen großen Kerl haben, der Basketball spielt“. Dieser Satz ist bereits zweimal gefallen und man kommt nicht umhin zuzustimmen. Privat, wie beruflich erweist es sich als Glücksfall, wenn man Spaß am Spiel hat. 100 Meter von unserem Büro entfernt kommt die Elite der Barangay Villamonte zusammen und da wir in der Vergangenheit bereits einige Observer auf dem überdachten Court abgestellt haben, werde ich sofort in die Gemeinschaft integriert. Ohne selbst viel dazu beizutragen wird mein Team Barangay Champion und fortan trainiere ich dreimal wöchentlich mit den etwa 50 Mitgliedern. Der Begriff Training ist jedoch irreführend, wird doch eigentlich nur ein Trainingsspiel an das andere gehängt. Dabei ist es interessant festzustellen, dass in den Philippinen nach einer Mixtur aus FIBA (International Basketball Federation) und NBA (National Basketball Association) Regeln gespielt wird. So liegt zwar die Dreipunktelinie 6,75m (FIBA, anstatt NBA: 7,23m) vom Korb entfernt, doch dauert ein Viertel 12 Minuten (NBA, anstatt FIBA: 10 Minuten).

Spannender als regeltechnische Feinheiten sind aber die tatsächlichen Trainingseinheiten. Von jetzt auf gleich werde ich von meiner Flügel- auf die undankbare Centerposition versetzt. Es ist zwar die logische Konsequenz aus durchschnittlich zehn Zentimetern Größenvorteil, doch macht es wenig Spaß regelmäßig vom Gegenspieler daran erinnert zu werden, dass man auch seine Ellenbogen einsetzen kann. Meine Freiwurfquote hat sich dadurch deutlich verbessert,  dafür musste ich aber auch schon mit blutender Nase das Feld verlassen. Die Filipinos kompensieren ihre fehlende Größe zudem mit Technik und Geschwindigkeit. Es macht sich stark bemerkbar, dass Kinder mit dem Laufen auch das Dribbeln erlernen. Basketball ist Nationalsport und genießt in etwa den Stellenwert, den Fußball in Deutschland genießt. Es ist schon erstaunlich, dass man vor jeder  Kirche, im Stadtzentrum, auf Straßenkreuzungen und selbst an steilen  Berghängen  installierte Körbe entdeckt.

Aber Basketball wird nicht nur  gespielt, sondern auch am Bildschirm verfolgt. Während der Playoffs in der NBA stört die Zeitverschiebung zur amerikanischen West- und Ostküste die Wenigsten. Frenetisch wird der Finaleinzug der Miami Heats gefeiert, die unter der Leitung des ersten Filipino-amerikanischen Cheftrainers Erik Spoelstra, die große Chance auf den Titelgewinn haben. Wir alle wissen wie die Geschichte ausgeht. Ein Würzburger hat etwas dagegen. Zu meinem Leidwesen. Denn fortan kommentiert der Stadionsprecher jeden meiner erfolgreichen Würfe mit einem langgezogenen „Noooooowitzki“.

Obwohl sich die Situation nach fünf Monaten in der Tendenz verbessert hat; kulturelle Unterschiede zwischen Deutschen und Filipinos sind im gegenseitigen Umgang noch immer deutlich spürbar. Dies gilt jedoch nicht auf dem Platz. Hier ist man einer von Fünfen. Hier spielen Sprache, Geld und Hautfarbe keine Rolle. Man erlebt Filipinos von einer anderen Seite, einer echten und authentischen Seite. Fleiß, Zusammenhalt und Fair Play werden hier großgeschrieben. Zwar halten sich Filipinos mit öffentlicher Kritik stark zurück, trotzdem werden Alleingänge, überhartes Spiel und fehlendes Engagement geächtet. Beim Sport zeigt man sein Wesen. Seinen Charakter. Das gilt auch in den Philippinen. Nach den Spielen geht das Team üblicherweise zusammen essen. Nicht selten enden diese Abende in einer nahegelegenen Videoke-Bar mit reichlich Bier und gebratenen Schweine-Ohren. Oh ja. Schweineohren….Ich muss zugeben, dass ich nicht nur wegen meiner beiden Teammitglieder dem Vegetarier in mir ein ganzes Stück näher gekommen bin. Doch dies sei nur am Rande angemerkt. Es sei festzuhalten: Basketball übernimmt für die Observer eine entscheidende soziale Funktion. Die engsten Freunde, die ich hier habe, sind Basketballer. Ich habe über den Sport einen Zugang zu den Menschen gefunden, den ich bei manch anderem Filipino noch vermisse.

Man mag es kaum glauben, aber auch aus beruflicher Perspektive macht es sich bezahlt, etwas mit dem orangefarbenen Ball umgehen zu können. Nach einer Anfrage an die hiesige Diözese um Unterzeichnung eines Appells an den Präsidenten, werden wir von Father Mao (Nicht sein tatsächlicher Name, ihm wird jedoch nachgesagt Ähnlichkeit mit Mao zu haben) zu einem Spiel zwischen Kirche und Militär eingeladen. Auf dem Papier zwar höchstbrisant, findet das Spiel aber in freundschaftlicher Atmosphäre statt. Bleibt die Frage offen: Für wen bin ich angetreten? Ich lasse dies mal offen. Fakt ist aber: Ich habe verloren. Dennoch: Der Kontakt zu einem einflussreichen Akteur ist hergestellt und weitere Spiele sollen folgen.

Was lernen wir daraus? Man kann sich die Philippinen ohne Basketball kaum vorstellen. Ein Großteil des sozialen Lebens sähe mit Sicherheit anders aus. Gewalt, Drogen und täglich Daniela Katzenberger in der Flimmerkiste? Wer denkt da noch an die Kinder? Wir haben dies erkannt und  prompt mit der Gründung eines IPON-internen Basketballteams reagiert. Einheitliche Outfits, regelmäßige Spiele und das IPON-Logo auf dem Herzen erzeugen eine neue Art des Zusammenhalts unter Observern und schaffen erst die Voraussetzung für diese noch junge Organisation als ernst zu nehmender Akteur in den Philippinen wahrgenommen zu werden.

dh

Advertisements
Veröffentlicht unter The simple Life | Verschlagwortet mit | Kommentar hinterlassen

Unsere Florida Street

Ein typischer Tag in unserer Florida Street, unserer grünen Oaseder Ruhe, inmitten der lautenund staubigen Hauptstadt von Negros imStadtteil Villamonte, könnte folgendermaßen verlaufen: Morgens nach der Dusche, die seit der zweiten Woche unseres Aufenthalts hier wieder einwandfrei funktioniert, mache ich mich auf zum Bäcker.

Zunächst trete ich in den kleinen Hof vor unserem Haus, wo mich acht kleine Hunde schwanzwedelnd begrüßen, wenn sie nicht in ihren Käfigen eingesperrt sind. Mittlerweile haben sie sich an uns gewöhnt und kläffen nicht mehr, wenn wir kommen. Nach der Begrüßung meiner Lieblingshunde öffne ich eine Tür in unserer großen grünen Metalltor und achte darauf, dass kein Hund dabei ins Freie entwischt. Dann biege ich nach rechts ab und am Ende der Florida Street noch einmal nach rechts.

Nach insgesamt etwa einhundert Metern Fußweg habe ich unseren Bäcker „Park&Go“ erreicht, wo mich mindestens drei Bäckereifachverkäuferinnen begrüßen. Dieser Begriff wird ihnen aber nicht gerecht. Wie Martin (http://ilsenburgerkaiser.wordpress.com) mir erklärt hat, handelt es sich dabei viel eher um Bäckersfeen. Dort kaufe ich für Dominik fünf Squashbread und für mich zwei Upsidedowns und vier Sweethearts und vielleicht noch ein Bananabread ein. Das sind allesamt teilchenartige Gebäckstücke, die sich sowohl zum Frühstück als auch zur Teezeit hervorragend eignen. Meine Lieblingsbäckersfee, Jean, begrüßt mich mit einem Lächeln und packt alles ein. Umgerechnet zahle ich für alles zusammen etwa 0,50 €. Kurz nach meiner Ankunft hat mich Jean nach meiner Telefonnummer gefragt und seitdem waren wir schon zwei Mal mit ihr und ihren Freundinnen aus Essen zu gehen und einfach durch die Gegend zu streunen („strawling“), wie sie es ausdrückt.

Auf der rechten Seite kurz vor dem Bäckerladen befindet sich mein Gym, ein winziges Fitnessstudio, das aber mit allen Geräten ausgestattet ist, die man für ein vollständiges Workout braucht. Selbstverständlich steht eine gut aussehende Philippina am Tresen und verlangt pro Training umgerechnet 1,00 € von mir. Drinnen führt der B-Boy das Regiment, ein gut durchtrainierter junger Filipino, der sich selbstverständlich besonders der Intensivbetreuung der weiblichen Kundschaft widmet, um auch möglichst alle Fitnesstrainerklischees zu bestätigen. Es herrscht aber eine lockere freundliche Atmosphäre, die dazu einlädt möglichst bald wieder zu kommen.

Biege ich von unserem grünen Metalltornach links in die Florida Street ab und gehe bis zum anderen Ende, erwartet mich dort eine Eatery, ein einfacher Imbiss wo verschiedene Fleisch und Würstchensorten auf dem Grill vor sich hinschmoren und biege ich erneut links ab befindet sich dort eine Jeepney-Reparaturwerkstatt. Die Minibusse werden dort überholt und hergerichtet, bevor sie wieder in den Straßenverkehr zurückdürfen. Die Straße ist an dieser Ecke von Öllachen bedeckt und der entsprechende Geruch vermischt sich mit dem des brutzelnden Fleischs an der Ecke. Wenige Schritte gerade aus und ich komme links am ATM vorbei. Früher bin ich fälschlicherweise immer davon ausgegangen,dass ich irgendwo dort Geld aus einem Automaten ziehen könnte. Tatsächlich handelt es sich aber um unser Wasseraufbereitungsunternehmen, von denen es sehr viele in dieser Gegend gibt. Mit aufwändigen Filteranlagen wandeln sie Leitungswasser in Trinkwasser um und beliefern uns mit Wassercontainern, wenn wir per Anruf darum bitten. Lasse ich ATM linker Hand liegen und folge der Straße, weißt mich ein gelbes Schild auf Aika’s Waschsalon hin. Hinter einem schwarzen Metallgitter begrüßen mich wiederum drei junge Damen, die meine Tüte mit schmutziger Wäsche entgegennehmen und mir eine mit gewaschener in die Hand drücken. Auf dem Rückweg kommen mir einige spielende Kinder in der Florida Street entgegen, die mich fragen: „Hey Joe, where are you going?“ Sie verwechseln mich nicht mit irgendeinem Joseph, der sonst die Florida Street entlangläuft, sondern verwenden das gängige pars pro toto für alle weißen Männer, die unter Generalverdacht alle für Amerikaner gehalten werden. Ich antworte einfach mit „Laudry“, wenn ich auf dem Weg zu „Aika’s“ bin oder „Home“ auf dem Heimweg. Soviel Englisch verstehen hier auch die Kinder auf der Straße.

Sicher kommt mir auch wieder ein alter räudiger Hund von Nachbarn entgegen. Er hat einen so traurigen Gesichtsausdruck, dass man glauben könnte, er würde jeden Tag verprügelt.

Rechts direkt an unserer Mauer um das Geländevon Attorney Guerrero, unserem neunzigjährigen Vermieter, befindet sich ein winziger Bambusverschlag. Er ist noch nicht einmal groß genug, dass ein Erwachsener darin aufrecht stehen bzw. liegen kann. Darin wohnt eine alte Frau, die sich um die Grünstreifen an der Straße kümmert, aber auch tiefgreifende Selbstgespräche führt bzw. mit einigen imaginierten Personen um sie herum.

Ihren wahren Hintergrund habe ich noch nicht erfahren. Man sagt aber, dass sie von ihrer Familie ausgeschlossen wurde und buchstäblich auf der Straße leben müsste, wenn Attorney Guerrero ihr nicht gewähren würde, ihre Behausung an der Mauer zu haben. Nachts kauert sie sich in ihrem kleinen Verschlag zusammen und ist offensichtlich in der Lage, in dieser Position Schlaf zu finden.

Wenn der Abend über uns hereinbricht, führt uns ein typischer Weg auch zu Susan, unserer Sari Sari-Lady. Rechts schräg gegenüber von unserem Haus hat Susan eine Luke, durch die sie bis spät in die Nacht fast alles zu äußerst günstigen Preisen verkauft, was das Herz begehrt. Sie betreibt einen Sari Sari, ein kleinesLädchen, das dem Konzept unseres Büdchens sehr nahe kommt. Von allen möglichen Getränken über Nahrungsmittel in Dosen bis hin zu frischen Hühnereiern und sogar „Load“ für die Prepaid-Karte des Handys reicht ihr Angebot. Weil wir große Freunde des Mangosafts sind, hat sie ihn für uns in ihr Sortiment aufgenommen. Susan ist weit gereist und in der Welt herumgekommen, was man von einer Büdchenverkäuferin zunächst einmal nicht erwarten würde. Außer ihrem zehnjährigen Aufenthalt in Abudabi, wo sie auch Arabisch gelernt hat, hat sie auch über ein Jahr in Hamburg verbracht, wo sie auch die Grundzüge der deutschen Sprache gelernt hat. Das ist aber schon fast zehn Jahre her, sodass sie aus der Übung gekommen ist. Wie es sich für eine Büdchenverkäuferin gehört, ist sie sehr am neusten Klatsch und Tratsch aus unserer Straße interessiert und hält gerne einen halbstündigen Plausch mit mir, wenn ich eigentlich nur da bin, um sechs Eier zu kaufen. (Es ist aber auch nicht ganz auszuschließen, dass unser Gefallen an einem gepflegten Schwätzchen auf Gegenseitigkeit beruht.) Regelmäßig bekommen wir erzählt, wie überaus üppig der Bierkonsum unserer Vorgängerteams war und welche Mitglieder aus den Vorgängerteams sich von ihr haben einige Worte in Ilongo beibringen lassen. Legendär wird unseren Nachfolgerteams erzählt werden, welche Unsummen an Geld ich monatlich auf mein Handy lade, umgerechnet etwa 16 €, was auch einem günstigen mobilen Datentarif in Deutschland entspricht. Für philippinische Dimensionen erntet ein so ausschweifender mobiler Datenkonsum nur fassungsloses Kopfschütteln. Mit zwei Fläschchen gepflegten San Miguel Pilsen ziehe ich meistens von Dannen, nachdem ich mich auch mit anderen umliegenden Nachbarn kurz unterhalten habe, die sich vor Susans Lädchen versammeln, um den neusten Klatsch und Tratsch auszutauschen. Der Abend nimmt typischerweise ein gemütliches Ende, wenn wir uns mit unseren Fläschchen und unserem Abendessen dann gemeinsam vor den Rechner setzen um uns ein oder zwei Episoden intelligenter Unterhaltung von „Boston Legal“ zu gönnen.

hstl

Veröffentlicht unter The simple Life | Kommentar hinterlassen

Impressionen aus Bacolod

Bacolod als Schönheit zu bezeichnen wäre wohl maßlos übertrieben. Neben vielen baufälligen und renovierungsbedürftigen Häusern hat die 600.000 Einwohnerstadt auch ganz nette und wirklich eindrucksvolle Ecken. Die Bandbreite sozialer Unterschiede wird uns am deutlichsten auf dem Weg zur SM-Mall. Ein kurzes Stück fährt das Taxi durch eine Siedlung von Hütten, die aus Bambus, Wellblech und allem was nicht niet und nagelfest ist, zusammengesetzt sind. Auf engstem Raum müssen dort ganze Familien unterkommen. Die Mall dagegen hat amerikanische Dimensionen und lässt keine Wünsche unerfüllt. Einen anständigen O-Saft, sowie ein Tintenfass suche ich jedoch immer noch vergeblich. Dafür ist das Angebot überbordend an Früchten von Ananas über Papaya, Melone bis zum Kokoseis von Gemüse und frischem Fleisch und Fisch auf langen eisgekühlten Theken. Auch Kleidung, technische Geräte bis zum lizenzierten Apple-Store und alles was das Herz sonst noch begehrt, sind zu haben. Nur die Buchbestellung auf unsere Insel dauert durchnschnittlich mindestens vier Wochen. Offensichtlich ist der Gang zur Mall jedoch nicht für jedermann eine erschwingliche Freizeitbeschäftigung. Alles absolut Lebensnotwendige verkauft uns ohnehin Susan vom Sari-Sari, dem philippinischen Äquivalent zum Büdchen, auf unserer Straße.

Zwischen kleinen Werkstätten, Eateries und Straßen-Ständen fallen einige wenige Restaurants und Cafés auf, die locker mit westlichem Standard mithalten können. Ständig springen uns auch McDonalds, Starbucks, Jollibees und weitere Ketten ins Auge, die sich unter der einheimischen Bevölkerung großer Beliebtheit erfreuen. Dies ist auch am Bauchumfang des einen oder anderen Philipinos sichtbar. Unsere Favoriten sind aber das Café Kuppa, Imay’s, der Chicken Court und der Great Wok of China, die wir gerne zum Mittagessen aufsuchen, wenn es uns nicht zur Recherche oder Lektüre an die Uni verschlägt. Auch auf den Philippinen scheint die Regel zu gelten: Mensaköche bleiben hinter normalem Essen qualitativ zurück. Von den drei Unis in der Stadt, in denen wir bisher recherchiert haben, haben wir uns die nächstliegende und größte als unseren Standort ausgesucht, um an unserem Gutachten zu arbeiten, die University of St. La Salle. Die Bibliothek kommt vom Bestand her nicht an deutsche Bibliotheken heran, aber der Zugriff auf Online-Journals führt schon weiter, weil man sich dann nicht in die Untiefen des Zeitungsarchivs vorwagen muss, in dem ungebundene Stapel alter Zeitungen mit dicken Staubschichten auf einen warten. Dagegen hätten wir auch in Deutschland nichts gegen einen sonnendurchfluteten Campus mit Palmenbewuchs einzuwenden.

Am Ende eines Arbeitstags an der Uni steigen wir gemeinsam in ein Tricycle ein, ein Motorrad mit einer Art festgeschweißtem Beiwagen, und dann heißt es nach wenigen Minuten: Home Sweet Home. Unsere Behausung samt Büro versprüht den Charme einer Ferienwohnung, weil alles da ist, aber doch nur irgendwie behelfsmäßig. Im Erdgeschoss geht das Wohnzimmer mit Couch und Lehnsessel nahtlos in unser IPON-Büro über. Dazu gibt es noch ein kleines Badezimmer, in dem wieder das Dusch- und Händewaschwasser fließt, was schon nach einer Woche Eimer und Kelle geradezu luxuriös erscheint und eine Küche, die mit dem Nötigsten ausgestattet ist auf zwei Gaskochplatten zu zaubern, auf was wir gerade Lust haben. Dort stattet uns Karl K. immer wieder gerne Besuche ab, aber dazu später mehr. Auf der ersten Etage befinden sich unsere drei Zimmer. Zwei gleichgroße und die Alterspräsidentensuite, die mir zugeteilt wurde mit eigenem kleinen Badezimmer und Zugang zum Balkon, wobei der Luxus des eigenen Badezimmers auch mit der Mühe des Eimerschleppens verbunden ist, weil der Wasserdruck es nicht in die erste Etage hoch schafft. Obwohl alles ein bisschen provisorisch erscheint, ist es doch zu unserer Heimat für sechs Monate geworden.

hstl

Veröffentlicht unter The simple Life | 1 Kommentar

Manila I

Wo beginnt die Reise? Am Ankunfts-Flughafen? Am Abflugs-Flughafen? Für mich geht es am Abend vor  Abflug los. Der letzte Abend mit White Russians, Bonnie Tyler und einem ordentlichen Kater. Vielen Dank an die Mainzer für einen starken Abschied!

Der Flug ist lang und das Essen mittelgut. Oder mittelschlecht? Beide Begriffe treffen es nicht richtig aber es gibt Essen. Neben den konventionellen Informationen über Höhe, Geschwindigkeit und Flugzeit, werden wir sachte darauf aufmerksam gemacht, dass wir uns nicht mehr in Europa befinden.

Das Hostel, in dem wir dann die nächsten 5 Nächte verbringen, ist dann umso besser. Kein Vergleich zu europäischen Standards, aber doch mit einem sehr guten Preis/Leistungs-Verhältnis. Dazu mit konsequenter Bio-Politik und wirklich freundlichem und aufgeschlossenem Personal. Manila erleben wir dann nicht als 12 Millionen-Metropole. Unsere Arbeitstreffen bei staatlichen und nicht-staatlichen Behörden spielen sich größtenteils im selben Distrikt ab, sodass wir die Weitläufigkeit der Stadt nur durch die einstündige Taxi-Fahrt vom Flughafen zum Hostel mitbekommen. Die Tatsache, dass ich um 6 Uhr morgens vom Krähen des Hahns geweckt werde (höchstwahrschenlich weil dieser schon wieder Gewichte für den nächsten Cock-Fight stemmt), verstärkt diesen Eindruck noch zusätzlich.

Manila kreiert eine ungewöhnliche Mischung an Eindrücken. Der Verkehr chaotisch wie man ihn in ostasiatischen Ländern vermutet. Öffentliche Jeepneys und Tricycles kämpfen mit Taxen und dem ein oder anderen SUV eines neureichen Filipinos um den schnellsten Weg durch das Wirrwarr. Sicherheit und Verkehrsregeln haben hier einen anderen Stellenwert und von Feinstaubbelastungen wissen wahrscheinlich die Wenigsten. Der Stadtkern dagegen wird von Fast Food-Ketten, Eateries und Straßenhändlern dominiert. Malls, Mode und Musik. Der amerikanische Einfluss auf das philippinische Alltagsleben scheint omnipräsent. Wer hierher kommt, sollte sich auf Lady Gaga, Britney Spears und Bon Jovi in Radio und Videoke-Bar einstellen. Beim Besuch eines Basketballspiels aus der ersten philippinischen Basketball-Liga (PBA) werden Maskottchen, Halbzeit-Bingo und Zuckerwatte geboten. Entsprechend wird nach einer Mixtur aus Fiba und NBA-Regeln gespielt. Die weißen Stars aus Übersee haben aber leider nicht nur musikalischen und sportlichen Idol-Status (s. Negros-Blog).

Mein Geburtstag ist neben den vielen neuen Eindrücken schließlich nur noch eine Randnotiz, obwohl ich mich über meinen Geburtstagstisch, sowie Geschenke und Getränke sehr freue. Erst später erfahre ich, dass die beiden Flaschen Rum, die ich von meinem Team bekommen habe, etwa einen halben Euro gekostet haben….es gibt wohl doch Regionen, in denen man beim Flat-Rate-Saufen noch über den Tisch gezogen werden kann. Von denGeschenken bleiben mir bis jetzt eine Karte und ein Buch, denn der Kuchen, den ich vom Hostel bekam, fand sehr schnell Abnehmer und die zwei Flaschen Tanduay….naja, irgendwie finde ich die nicht mehr…

Lirum, Larum. Die Fährenfahrt war einmalig. Sonnenbrand und Hautausschlag kombiniert mit Panorama-Blick und Delfinschule. Ich kann mich nicht festlegen. Doch. Es war schon geil. Welcome to Bacolod…

dh

Veröffentlicht unter Events | Kommentar hinterlassen

Private Observer – Erlebe deinen Observer. Natürlich. Echt. Hautnah.

Juten Tach auch,

nach fast vier Wochen schaffen wir nun endlich mal unsere Blog online. Manila, Bacolod und Sipalay bieten reichlich Stoff für Bild und Wort.

Wenn ihr also mal einen kleinen Abstecher aus Deutschland machen wollt, versorgen wir euch gerne mit Anekdoten, Berichten und dem ein oder anderen freizügigen Bildchen…

Wir werden euch hier vornehmlich mit Infos versorgen, die offiziell nicht dafür geeignet sind auf der Homepage von IPON oder auf dem Observer Negros-Blog publiziert zu werden. Infos sowohl zum International Peace Observers Network, als auch über unsere Arbeit hier auf Negros erhaltet ihr auf den jeweiligen Seiten, die wir euch oben zur Verfügung gestellt haben.

Also, mit anderen Worten: Dieser Blog wird flach und niveaulos, aber vielleicht wird er  gerade deswegen eine ganz große Nummer…

Verfolgt eure privaten Observer. Natürlich. Echt. Hautnah.

Holger und Dominik

Veröffentlicht unter Allgemeines | 1 Kommentar